Frankes Welten

14. März 2014 Stuttgarter Zeitung (Printausgabe)

Man sieht nur die Hand auf dem Asphalt – und ahnt doch die ganze Geschichte, die die fotografische Zufallsperspektive hier erzählt. Eine Geschichte vom Leben auf der Straße, von der Armut und vom Schmutz, den der schwäbische Kehrwochengeist schnell in die Ecke fegt, um nicht darüber nachdenken zu müssen. Anders als die Klassiker der sozialkritischen Fotografie hat Jens Franke nicht die Peripherie ausgeleuchtet, sondern die geordnete und teure Stuttgarter Innenstadt. Aber auch das Zentrum hat Randgebiete, Franke nennt sie "Little Districts". 46 dieser gesellschaftlichen Mikroräume präsentiert Franke in der Ausstellung des Kunstbezirks.

Die Bilder schauen in die Gesichter der Stadt, auf das des Straßenmusikers oder auf des Kellers vor der Markthalle.

Mitunter erinnern die Bilder an Filmstills, lassen die Dargestellten zu Akteuren des Alltagskinos werden. Andere wiederum verweigern sich den Blicken der Umgebung und dem Objektiv des Fotografen. So schließt eine Dame die Augen, während einer der Obdachlosen auf dem Schlossplatz hinter Schirm und Decke verschwindet. Und auch sonst bremst Franke die Annäherung ans Intime stets im richtigen Moment ab. lei

Bis 28. März, Leonhadsplatz 28,
Di-Sa 15-19 Uhr