Die Exotik im Alltag – Der Fotograf Jens Franke blickt in die vielen Gesichter Stuttgarts.

Stuttgarter Zeitung - Stadtausgabe, 05.07.2014, S. 43 / Wochenendbeilage / Stadtleben

Die Straße ist sein Elixier: Wenn Jens Franke durch die Stadt geht, sind es die scheinbar nebensächlichen, unspektakulären Augenblicke des Alltags, die ihn fesseln. Mit seinem untrüglichen Blick für besondere Stimmungen und ungewöhnliche Lichtverhältnisse zeigt er uns Stuttgart von vielen neuen Seiten. 'Ich suche das Exotische in der Stadt', sagt der 33-jährige Wahl-Stuttgarter, der sich nach seinem Designstudium in Schwäbisch Gmünd zunächst nicht so recht vorstellen konnte, dass es in der Landeshauptstadt anders als langweilig sein könnte.

'Ich suche das Exotische in der Stadt'

Inzwischen lebt er sechs Jahre hier und findet auf seinen Streifzügen jede Menge Spannendes. 'Mich interessiert vor allem das Miteinander der Menschen. Meine Bilder entstehen intuitiv.'

Mal sind es Nahaufnahmen von Einzelpersonen, mal unbestimmte Alltagsszenen vor Gebäuden, die Franke mit seiner ganz eigenen Stimmung versieht. Seine Bilder blicken in die Gesichter der Stadt, auf die der feiernden Jugendlichen auf dem Schillerplatz oder in das des melancholischen Fliegenträgers am Königsbau. Bei seinen Aufnahmen greift er gern auf die Schwarz-Weiß-Fotografie zurück. 'Die Bilder bekommen dadurch etwas Zeitloses.' In der Stadt, wo Reklame, Lichter und Menschentrauben Unruhe verbreiten, bringt Jens Franke mit der Schwarz-Weiß-Optik Ruhe in seine Motive. Grobes und Markantes wirkt stärker. 'Ich mag die Dame mit dem Fellkragen sehr gern', sagt der Fotokünstler über eines seiner Lieblingsmotive. 'Sie strahlt Güte aus und wirkt so erhaben.' Auf dem Schlossplatz hat er sie in einem kurzen Moment für immer verewigt.

Obwohl der Betrachter nichts über sie weiß, glaubt man aus ihrem Gesicht eine ganze Lebensgeschichte herauszulesen.

Mehr von Jens Franke: www.jensfranke.photography sdr