Erste Liebe

Meine ersten tapsigen Schritte in die Welt der Fotografie machte ich durch die Entdeckung der Exakta VX 500 meines Vaters. Heimlich durchstöberte ich als Kind die alten Kisten in unserem Keller. In einer der Kisten fand ich zwischen etlichen Erinnerungen, an eine Zeit vor meiner Geburt, eine alte Kamera meines Vaters. Ich war damals ziemlich fasziniert von dem seltsamen Gerät, mit dem vor einigen Jahren unter Anderem meine ersten Gehversuche dokumentiert wurden. Mein Vater erzählte mir damals das diese Kamera bei einer Bootsfahrt ungeschickterweise mit Wasser in Kontakt gekommen war und sie seitdem nicht mehr benutzbar war.

Mit den Jahren setzte ich mich immer intensiver mit dem Thema Fotografie auseinander und entdeckte beim Umräumen im Keller erneut diese Kamera, die immer noch ungenutzt ihr Dasein im Schatten fristete. Ich hatte in München einen kleinen Laden entdeckt der mir die Kamera reparierte. Nun hielt ich meine erste Spiegelreflexkamera in den Händen. Ich klebte mir einen kleinen Zettel mit den nötigen Faustregeln zu Blende und Belichtungszeit auf die Rückseite des Gehäuses, kaufte mir ein paar Filme und legte los. Daran hat sich im Grundprinzip eigentlich bis heute fast nichts verändert. Einzig meine Ansichten über die Fotografie haben sich im Laufe der Jahre gewandelt. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg. Nach einigen Monaten dachte ich das ich mit einer Kamera ohne Belichtungsmesser in manchen Situationen so meine Einschränkungen hatte. Hinzu kam das die Kamera keinerlei Fokussierhilfe hatte und der Spiegel leider immer wieder mal überraschend den Dienst verweigerte.

Aufgewachsen in den Bergen fuhr ich damals mit meinen Freunden viel Snowboard und versuchte die Tricks meiner Freunde auf Bildern einzufangen. Hierzu besorgte ich mir eine etwas modernere Kamera, mit der immerhin nun bis zu 5 Bilder pro Sekunde möglich waren und jagte einen Film nach dem Anderen durch die Kamera.

Nach einiger Zeit verdrängte meine erste Digitalkamera made by Aldi den analogen Dinosaurier. Die Bildqualität nahm vermutlich etwas ab. Die Anzahl der Bilder und meine Begeisterung nahmen zu und ich musste mich nicht mehr mit komplizierten Themen wie Blende, Belichtungszeit und Brennweite auseinandersetzen. Befreit von diesen Themen und ausgestattet mit einer Kamera im Hosentaschenformat entdeckte ich die Welt durch das pixelige Auge der Kompaktkamera. Italien, Kroatien, Frankreich, Spanien, Portugal, das erste mal Surfen … Wir haben viel erlebt meine „ Traveler“ und ich.

Während meines Studiums hatte ich die Chance ein halbes Jahr in Rio de Janeiro zu verbringen. Brasilien, ein Land der Zukunft – Für mich war es ein exotisches Land mit fremder Kultur und spannenden Abenteuern, die auf mich warteten.

Im Gepäck hatte ich außer meinem Surfbrett und meiner Digicam (zum Glück) noch einen alten Freund: Die Exakta meines Vaters. So hatte ich auf meinen Erkundungen in der Stadt immer eine Kamera dabei. Ich spazierte oft alleine durch die quirligen Straßen. Ich durchquerte die alten Stadtbezirke Laranjeiras, Santa Teresa, kam an Favelas vorbei, kletterte auf Berge und fuhr morgens mit dem ersten Bus nach Arpoador für den Morgensurf bevor die Schule anfing. Es gab viel zu entdecken. Ich war ein Reisender in einer unbekannten Galaxie. In dieser Zeit entwickelte ich meine Liebe zum flanieren ohne unmittelbares Ziel.

Ich fing langsam an die Bilder, die ich sah, bewusster zu gestalten. Meine im Studium errungenen Kenntnisse zu Design und Komposition prallten auf einmal auf meine Leidenschaft zur Fotografie. Ich suchte mit einer ähnlichen Begeisterung nach meinen Motiven wie Kinder Figuren in Wimpelbildern.

Ich skate für mein Leben gern. Rio ist dafür wie geschaffen. An vielen Ecken gibt es kleine Rampen und Bowles, in denen man wirklich viel Spaß haben kann. Der am schönsten gelegene ist wohl der Bowl über Arpoador von dem aus man komplett über Ipanema und Leblon schauen kann. Jedenfalls wollte ich dort für die Nachwelt ein kleines Selbstportrait von mir schießen und ich stellte die Kamera in die Mitte des Bowls … Klonk! Weg war Sie!

Mein letzter Monat in Rio war angebrochen und ich hatte nur noch die 40 Jahre alte Kamera meines Vaters und ein paar Diafilme dabei. Hinzu kam das ich von einem Tag auf den Anderen keine funktionierende Belichtungsmessung mehr hatte und mich nun wieder ganz bewusst mit den wichtigsten Faktoren der Fotografie auseinandersetzen musste: Belichtungszeit, Blende, Komposition. Zum Glück klebte da noch meine Belichtungstabelle auf der Rückseite. Im Nachhinein war der kleine Unfall ein großer Glücksfall! Meine interessantesten Bilder aus dieser Reise sind mit der Exakta entstanden. … Was habt ihr für eine Geschichte?

 

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